Historie
Geschichte der Schule in der Gartenstadt Hellerau
Mit der Gründung der Gartenstadt Hellerau begann ab 1909 auch der Aufbau eigener schulischer Strukturen. Zunächst gehörte Hellerau zum Schulbezirk Klotzsche; die Kinder besuchten auswärtige Schulen. Seit 1912 setzte sich der Verein Bürgerschaft für den Bau einer eigenen Volksschule ein. Nach den Plänen des Architekten Kurt Frick erfolgte 1913 die Grundsteinlegung. Am 7. Januar 1914 wurde die Volksschule nach nur einem Jahr Bauzeit eingeweiht. Der moderne Bau bot gute hygienische Bedingungen und ermöglichte lebensnahen Unterricht. Während des Ersten Weltkrieges war der Schulbetrieb stark eingeschränkt.
Aufnahme (ca. 1921)
Aufnahme (ca. 1930)
In der Nachkriegszeit entwickelten sich an der Hellerauer Volksschule reformpädagogische Ansätze. Engagierte Lehrkräfte wie Willy Steiger, Max Nitzsche, Helmut Gröger, Rudolf Wittig und Wilhelm Grampp prägten einen sozial orientierten, lebensverbundenen Unterricht. Angeregt durch die Reformbewegungen in Hellerau, insbesondere durch die Rhythmik nach Émile Jaques-Dalcroze am Festspielhaus Hellerau, wurde die Schule als Arbeitsschule überregional bekannt. Die wirtschaftliche Not in den 1920er Jahren verstärkte die sozialen Aufgaben der Schule. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden die pädagogischen Freiräume durch schulbehördliche Vorgaben zunehmend eingeschränkt.


Schulanfänger vor dem Hauptportal (1925)
Am letzten Schultag wird ausgekehrt! (1927)
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten endeten die Reformbestrebungen. Reformlehrer wurden entlassen, der Schulleiter verhaftet, die Schule ideologisch gleichgeschaltet. 1937 wurde das Festspielhaus zur Kaserne. Der Zweite Weltkrieg führte zu häufigem Lehrerwechsel und weiteren Einschränkungen, bis der Unterricht schließlich eingestellt wurde. Nach dem Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 diente das Schulgebäude als Notlager für Ausgebombte.
Nach Kriegsende ordnete die sowjetische Militärverwaltung die Wiedereröffnung der Schule an. Max Nitzsche übernahm die Schulleitung. Der Unterricht fand unter großen materiellen Schwierigkeiten statt, zeitweise außerhalb des Schulgebäudes. In dieser Phase entstanden neue Lehrpläne, die im Land Sachsen als vorbildlich galten.
Während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik knüpften viele Lehrkräfte an die humanistischen und kreativen Traditionen Helleraus an. Diese Haltung führte jedoch zunehmend zu Konflikten mit staatlichen Vorgaben. Die pädagogischen Freiräume wurden im Laufe der Jahre immer weiter eingeschränkt, insbesondere durch ideologische Verpflichtungen. Dennoch blieb die Schule für viele Schülerinnen und Schüler eine besondere Bildungseinrichtung.



Schülerarbeiten (1949)
Nach 1990 wurde die Schulstruktur in Sachsen grundlegend verändert. Mit dem neuen Schulgesetz im Freistaat Sachsen entstand aus der ehemaligen Polytechnischen Oberschule die 84. Grundschule sowie eine Außenstelle der 85. Mittelschule, die 1999 geschlossen wurde. Der Grundschulstandort konnte im Jahr 2000 nur durch das engagierte Eintreten von Eltern, Bürgern und Schulleitung erhalten werden. Nach umfangreichen Baumaßnahmen beherbergt das Schulgebäude seither Grundschule und Hort. Ein erweiterter Einzugsbereich sicherte die Zweizügigkeit.
Seit 2001 wird die Schule von Frau Hartmann geleitet. Das Schulprofil knüpft bewusst an die reformpädagogische Tradition Helleraus an und setzt auf Rhythmik als verbindendes Unterrichtsprinzip. Seit 2002 erhalten alle Kinder integrativ Rhythmikunterricht. Unterstützt wird dieses Profil durch enge Kooperationen mit kulturellen und pädagogischen Partnern in Hellerau.
Am 13. Juli 2006 erhielt die Schule den Namen Grundschule „In der Gartenstadt“. Damit wird die enge Verbindung von Schulgeschichte, pädagogischem Selbstverständnis sowie Geschichte und Gegenwart der Gartenstadt Hellerau auch im Namen sichtbar.
100 Jahre Schule in Hellerau und Sächsischer Schulpreis
In der Woche vom 10. bis 15. Juni 2013 feierten wir die Grundsteinlegung unserer Schule vor 100 Jahren.
Bereits am 7. Juni um 8:00 Uhr eröffneten wir die Feierlichkeiten mit dem traditionellen Treppensingen. Unser schönes, altes Treppenhaus bietet ausreichend Platz, sodass alle 200 Schülerinnen und Schüler gemeinsam im großen Chor singen können. Um 11:00 Uhr ließen wir auf dem Sportplatz Hellerau Grußluftballons steigen, um der Umgebung zu verkünden, dass wir stolze Geburtstagskinder sind.
In der Festwoche war besonders viel los: ein Schulmuseum mit Exponaten aus 100 Jahren Schulgeschichte, Interviews mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern, das MuseumsMobil beleuchtete das Leben vor 100 Jahren, im Schulmuseum konnte man eine historische Unterrichtsstunde erleben, wie sie früher üblich war. Ergänzt wurde das Programm durch eine Schulrallye und ein Geschichtenheft des Fördervereins.
Der 14. Juni wurde mit einem Festakt für geladene Gäste in der Schulturnhalle begangen. Grußworte von Anja Stephan, Leiterin der Sächsischen Bildungsagentur, und Falk Schmidtgen, Amtsleiter des Schulverwaltungsamtes der Landeshauptstadt Dresden, würdigten die Reformbemühungen der Lehrer in den frühen 1920er-Jahren und spannten den Bogen bis in die Gegenwart. Besonders hervorgehoben wurde das Engagement der heutigen Lehrkräfte, insbesondere die Wiederbelebung des Unterrichtsfaches Rhythmik vor elf Jahren.
Ernst Ulich, der von 1928 bis 1934 Schüler der Hellerauer Schule war, erzählte den rund 150 Gästen kurzweilige Geschichten aus seiner Schulzeit. Die Schulleiterin Kerstin Hartmann griff Worte des Architekten der Schule, Kurt Frick, auf: „Trage die Last deiner kommenden Bürde stolz und leicht!“. Gleichzeitig machte sie damit auf das Alter des Gebäudes und den bestehenden Sanierungsbedarf aufmerksam.
Am Samstag, dem 15. Juni, fand die Rhythmikaufführung „Wir sind Schule!“ im Festspielhaus Hellerau statt. Anschließend wurde auf dem Schulhof ausgelassen gefeiert. Das traditionelle Kinderfest des Hellerauer Bürgervereins öffnete seine Pforten: Basteln, Spiele, Kinderschminken und Ponyreiten gehörten wie jedes Jahr dazu.
Mit diesem außergewöhnlichen Rhythmikprogramm bewarb sich die Schule um den Sächsischen Schulpreis. Gesucht wurden Projekte, die über mehrere Jahre hinweg das Schulleben nachhaltig bereichern und einen engen Bezug zum Schulprogramm aufweisen. Dabei sollten sie individuelle Lernpotenziale fördern, das Schulklima positiv beeinflussen sowie neben Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften auch Eltern und externe Partner aktiv einbeziehen.
Unsere Schule wurde schließlich mit dem Preis, der mit jeweils 1.000 Euro dotiert ist, ausgezeichnet. Überreicht wurde die Auszeichnung durch Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Kultusministerin Brunhild Kurth.
Der historische Moment wird nachgestellt...
Die Geburtstagstorte
Ernst Ulich im Interview
Sächsischer Schulpreis 2014
Entwicklung und bauliche Erneuerung seit 2017
Das besondere Profil der Grundschule mit dem verbindlichen Rhythmikunterricht, modernen Unterrichtsmethoden und einer konsequenten individuellen Förderung führte über Jahre hinweg zu steigenden Schülerzahlen. Die Nachfrage überstieg dauerhaft die vorhandenen Schulplätze, Klassenstärken von bis zu 28 Schülerinnen und Schülern waren die Folge. Eine Erweiterung der räumlichen Kapazitäten durch Sanierung und Anbau wurde daher wiederholt diskutiert.
Durch das langjährige Engagement der Hellerauer Bürgerschaft, des Fördervereins der Schule, der Elternschaft sowie unterstützender Abgeordneter konnte schließlich eine umfassende bauliche Lösung erreicht werden. In den Jahren 2017 bis 2020 wurde die über 100 Jahre alte Schule in der Gartenstadt Hellerau grundlegend saniert und durch einen Anbau erweitert. In das Baukonzept wurde auch das benachbarte Gebäude der Feuerwehr Dresden einbezogen, das heute als Speiseraum und Hortgebäude genutzt wird.
Seit Abschluss der Bauarbeiten verfügt die Schule über deutlich verbesserte räumliche Bedingungen. Zwei Schulhöfe, ein Spielplatz, ein grünes Klassenzimmer, modern ausgestattete Klassenräume sowie vielfältig nutzbare Innenräume bieten gute Voraussetzungen für Unterricht, Betreuung und Freizeitgestaltung. Der erweiterte Nachmittagsbereich unterstützt die enge Verzahnung von Schule und Hort.
Die pädagogische Arbeit wird von einem multiprofessionellen Team getragen: Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Mitarbeitende in Verwaltung, Küche und Hauswirtschaft gestalten gemeinsam den Schulalltag. Ziel ist es, den Kindern einen Lern- und Lebensort zu bieten, der Sicherheit, Anregung und Entwicklungsmöglichkeiten verbindet und an die reformpädagogischen Traditionen Helleraus anknüpft.
















